Bonns Rhythm ´n Blues - Szene informiert

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  Wie ihr den Blues kriegt ...

Glaubt bloß nicht an diesen dummen Spruch, "Blues ist einfach, das kann jeder spielen". Schon seit Urzeiten geistert er durch die Gehirne von Möchtegern- Könnern, und genau so lange ist er schon falsch. Für Europäer ist es gar nicht so einfach, die rhythmischen und harmonischen Möglichkeiten dieser Multi-Kulti- Musik zu verstehen und nutzen zu lernen.

Was also der Blues eigentlich? Einmal eine musikalische Form, ich komme sofort dazu, und andererseits der Stil Blues mit seinen Geschwistern Jazz, Soul etc. Ein Jazzstück kann durchaus formal ein Blues sein, und auch so heißen.

Die formale Ausgestaltung des Blues nennen wir Blues-Schema. Man kann es auch das A & O des Blues nennen, denn nur wenn ihr es beherrscht, konnt ihr Blues richtig und mit anderen zusammen spielen.

Jede Blues-Strophe hat 12 Takte; genauer genommen 3 x 4 Takte: Präsentation, Umspielung und Entspannung des Themas. Das heißt: In den ersten 4 Takten wird das Thema über dem Grundton vorgestellt. Man kann auch sagen: Auf der 1 (dem ersten Tone der gewählten Tonart und damit -leiter). Noch genauer zum Akkorde über dem Grundton.

Es folgen die vier Takte Umspielung, eingeteilt in zwei Takte zum Akkorde über der der 4 (oder Subdominante der gewählten Tonart), und zwei auf 1 (d.h. klassisch über der Tonika).

In den letzten 4 Takten, der Entspannung spielen wir je einen Takt zu 5 (Dominante), 4 (Subdominante), und zwei Takte zur 1. Der letzte, 12. Takt kann auch wieder über die 5 gespielt werden, um die Spannung zur nächsten Strophe zu erhöhen. Von der 5 besteht ein beträchtlicher "Sog" zum Grundton, und damit dem Tone, zu deren Akkord die neue Strophe sehr wahrscheinlich gleich weiter gehen wird.

Das wars schon. Natürlich gibt es allerlei mehr durchaus übliche Abweichungen. Wenigstens eine muss hier auch noch rein: Die ersten vier Takte nicht über 1, 1, 1, 1 zu spielen, sondern über 1, 4, 1, 1, also auch schon hier eine kleine Portion Umspielung rein zu kriegen.

Ich habe bisher keine Akkordnamen genannt, um die Struktur (das Bluesschema) grundsätzlich und unabhängig von der gewählten Tonart erläutern zu können. Bitte nehmt dies Beispiel in A auch nur als Beispiel: (1) A, A, A, A, (2) D, D, A, A, (3) E, D, A, A.

(1) sind hier die Takte 1-4 oder Präsentation, (2) die Takte 5-8 oder Umspielung einschließlich einer ersten Auflösung oder Rückkehr zum Grundton, und (3) die Takte 9-12 oder die finale Auflösung.

A, D, und E bedeutet auch, daß Dur-Akkorde gemeint sind, Moll-Akkorde würden klein geschrieben. Und meint nicht, ihr müsstet im Blues andauernd Septim-Akkorde oder so spielen - na klar sind die häufig, aber vergesst nicht die normalen Dur- oder Moll-Griffe.

Und dann gibt es natürlich noch den Rhythm ´n Blues, eine Hauptquelle des Rock ´n Roll. Sehr viele Rock ´n Roll - Stücke halten sich an das 12-taktige Bluesschema (s. Blue Suede Shoes; die Liste wäre endlos).

Unter http://blueslessons.de.vu/ gibt eine internationale Bluesschule im Netz, allerdings auf Englisch.

Auf Deutsch auch noch einige Tipps von Werner . Und falls hier jemand wünscht, noch ein paar Grundlagen von Anfang an mit zu bekommen, auch ok.

Worüber selbst in durchaus kenntnisreichen Blues-Homepages kaum ein Wort verloren wird, sind die rhytmischen Besonderheiten des Blues und anderer afro- amerikanischer Stile. Dabei tragen die entscheidend zum "Feeling" bei.

Diese Musikarten schlängeln sich in verschiedenster Weise um das Metrum (sozusagen die Schläge des Musikalischen Uhrwerkes) herum und bauen so Spannung auf - denn das Metrum läuft natürlich weiter. Man könnte in europäischer Ausdrucksweise sagen: Synkopen werden zum Prinzip gemacht. Es gibt die verschiedensten Ausprägungen, auch je nachdem, ob es sich um Blues, Swing, Funk, Reggae, oder was auch immer handelt.

Was für eine wertvolle Möglichkeit, Spannung aufzubauen - und zu lösen! Mehr zu diesem Thema hier.

Zum Schluss noch die Namen einiger hervorragender und bekannter Blues- Musiker, von den meisten gibt es Greatest, Best Of, oder ähnliche Alben, und wirklich bekannte, sessiontaugliche Stücke:

Klassischer Blues: B. B. King, Muddy Waters, T-Bone Walker. Uralt-Klassiker: Robert Johnson, schrieb viele sehr bekannte Stücke. Neuerer, auch schon klassischer Blues: Albert Collins, Robert Cray. R&B: Bo Diddley, Aretha Franklin (mit DIE weibliche Stimme Amerikas).

Zum Schluss möchte ich zugeben, dass natürlich nicht nur schwarze Amerikaner wirklich guten Blues spielen können. Der von mir sehr geschätzte Taj Mal ist zwar schwarz, aber Karibe, und hat auch hervorragende karibische Musik abgeliefert. Und die britische, weiße Band Fleetwood Mac hat meine Aussage vor ihrer Zeit als Popband bewiesen. Ohne Anspruch auf auch nur annähernde Vollständigkeit.

Wenn ihr die bekanntesten Stücke auch nur von sechs der acht amerikanischen Musiker drauf habt, müsst ihr bei Blues-Sessions nicht mehr die Hosen runter lassen. Na gut, vielleicht bei Rock-Sessions, die sich als Blues-Sessions ausgeben ...

Aber ihr wollt es eh nicht allen recht machen. Also spielt euren Blues, ja, euren, und macht das nicht zu laut!

Obwohl ich glaube, dass wir Europäer viel davon haben, in die für uns unge- wohnten Freiheiten schwarzamerikanischer Bluesmusiker bei Phrasierung, Tonhöhe und dem Umgang mit Harmonien einzutauchen, denke ich, daß es durchaus Vorteile hat, vom Spiel der Blues Brothers zu lernen. Klar, es ist eine überwiegend weiße Band, die von Anfang an ganz überwiegend aus erfahrenen Studiomusikern bestand. Sie machte ihre Sache wirklich ordentlich. Und die von ihnen gespielten Stücke sind in Europa spätestens durch sie so bekannt geworden, dass ihr Euch auch mit ihnen recht gut auf Sessions vorbereiten könnt.

Vergesst dabei nie: Eine Session macht ihr miteinander, nicht gegeneinander - ihr könnt nur gut sein, wenn ihr den anderen zuhört und auf sie eingeht.

Dieses auf einander Hören und Eingehen ist im Blues ohnehin, und bei Sessions erst recht, unverzichtbar! Natürlich hängt ihr ohne Kenntnisse der Blues-Standarts in der Luft. Genau deshalb habe ich die CDs mit Lernmaterial für Euch zusammen gestellt und diese Seite ins Netz gestellt habe. Jetzt seit ihr dran!

Zu den Lern-CDs extra für die Teilnehmer der von mir organisierten Sessions: Eine Doppel-CD mit Aufnahmen aus der Zeit, als Bonn noch eine DER Blues-Hochburgen Deutschlands war. Ein paar Beispiele für eine gute Phrasierung könnt ihr da auch schon mit nehmen.

Besser geht das natürlich anhand der Originale. Auch hier habe ich Euch eine erstklassige Sammlung klassischer Blues-Stücke von Robert Johnson über T-Bone Walker und Aretha Franklin bis zu Taj Mahal und Anderen zusammengestellt und als Lehrmaterial für Euch auch auf CD gebrannt; beide Sammlungen könnt ihr ausgeliehen haben (lediglich für Teilnehmer der von mir organisierten Sessions gedacht).

Und dann ist jede Session, sowie Zuhörer dabei sind, auch ein Auftritt (zurück mit dem Pfeil oben links).

Damit ihr bei den Sessions besser einschätzen könnt, mit was ihr bei wem zu rechnen habt, möchte ich Euch Gelegenheit geben, Euch, eure musikalischen Anliegen und Kenntnisse hier kurz vor zu stellen.

Fragen an gruner@a-gr.net - - -

Zu den Tipps für Musiker- - -

Hier noch ein paar Hinweise, wie ihr an Texte heran kommt ...

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